Impulse

Dem Göttlichen begegnen

Zu meinem 60. Geburtstag habe ich ein ganz besonderes Geschenk empfangen. Dieses besondere Geschenk besteht aus vielen ungezählten Geschenken.

Es begann damit, dass Menschen aus unserer Pfarrgemeinde sich darauf freuten mir bei der Ausrichtung meiner Feier zu helfen und das sehr engagiert taten. Manche waren rund um die Uhr präsent und bewirteten die Gäste vom Sektempfang bis zum Abend und übernahmen viele Aufgaben im Hintergrund.

Ich habe mir ein Fest der Begegnung gewünscht, an einer langen Tafel, mit einem Tag der offenen Tür und mit vielen lieben Menschen. Genauso ein Fest wurde mir geschenkt – und weit mehr als ich hätte träumen können.

Verschiedene erlesene Weine hatte mein Bruder mir zum Fest geschenkt. Einige Frauen haben mir tolle Suppen gekocht und feinen Nachtisch zubereitet, andere brachten wunderbare selbstgebackene Kuchen mit und am Abend genossen wir frische hausgemachte Salate. Es fehlte uns an nichts. Eine reiche Auswahl an liebevoll zubereiteten Speisen und Getränken bot sich unseren Augen. Wir saßen an einem großen Tisch und genossen die persönlichen Gaben, die viele zum Fest mitgebracht hatten, die Gespräche und die wohltuende Atmosphäre.

Etwas Besonderes an diesem Tag waren für mich all die warmen Worte, die an mein Ohr drangen und mein Herz mit Freude und Dank erfüllten.

In einer heiteren Atmosphäre saßen Menschen aus verschiedenen Orten zusammen, mit denen mich unterschiedliche Beziehungen verbinden. Allein ihr Anblick erfüllte mich mit Dankbarkeit und tief empfundener Freude.

Erst am Abend des nächsten Tages fand ich die Muße mich den vielen schriftlichen Glückwünschen und persönlichen Geschenken zu widmen. Mir strömte eine Fülle von guten Wünschen, warmen Worten und Herzenswärme entgegen. Dabei konnte ich die Tränen der Dankbarkeit und Freude nicht zurückhalten.

Was ich hier spürte, war die Summe vieler kleiner und oft alltäglicher Begegnungen der vergangenen Jahre. Diese Gesamtheit machte hörbar und sichtbar, wie kostbar jede einzelne Begegnung, jedes Gespräch und jedes noch so kleine gute Wort ist.

Mein Fest hatte nicht nur einen 2. Feiertag, wie wir es von Ostern und Weihnachten kennen, es kam einer Festwoche gleich. Jeden darauffolgenden Tag erwartete mich eine Überraschung. Von Herzen kommende Segenswünsche, Begegnungen voller Freude und liebevolle Geschenke. Ich habe so viel Wertschätzung erfahren und so viel Liebe empfangen, wie ich es mir nie hätte vorstellen können.

Ganz besonders liebevoll und wohltuend habe ich in diesen Wochen der Vorbereitung die Achsamkeit und Zuwendung meiner Mitschwester Andrea empfunden. Es gab Heimlichkeiten zwischen ihr und meiner Familie, sie strahlte eine stille Freude aus und schenkte dem Fest auf ihre Weise einen Überraschungscharakter. Ihrer Anteilnahme und ihrem unermüdlichen Engagement verdanke ich die schönsten Stunden der Vorfreude, meine Leichtigkeit beim Feiern und den wohltuenden Nachklang…

In all diesen Menschen

begegnete mir

das Göttliche

und berührte

zutiefst

mein Herz!

Welch ein Geschenk!

 

14. Dezember 2017                                                                                                                                           Sr. M. Josefa op

 

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Abendteuer Advent

Abenteuer Advent

Wer Geheimnisse im Leben zulässt, der kann und wird was erleben.

Und so kommt es wohl auch nicht von ungefähr, dass das ursprünglich lateinische Wort „Advent“ und das englische Wort „adventure“,  auf Deutsch „Abenteuer“, auf die gleiche Sprachwurzel zurückgehen. Wer sich auf das Geheimnis der Menschwerdung Gottes einlässt, wer dem Geheimnis der Weihnacht offen gegenübersteht – der kann und wird was erleben: Abenteuer Advent.

Andererseits: Wer das Geheimnis von Weihnachten verstehen will, der braucht Advent – der braucht die Zeit, in der wir eingeladen sind, neu auf das eigene Leben zu schauen, uns neu auf das Abenteuer Leben einzulassen. Wer Weihnachten feiern will, der braucht diese Wochen, die uns daran erinnern und darauf vorbereiten wollen, was Weihnachten eigentlich für uns bedeutet. Wer Weihnachten feiern will, der braucht das Abenteuer Advent, damit Weihnachten werden kann.

Advent lässt sich nur verstehen und entsprechend gestalten, wenn man diese Zeit von hinten her buchstabiert, wenn man von Weihnachten her denkt. Und so wenig, wie Weihnachten nur ein Datum in unserem Terminkalender sein will, so wenig sind diese Wochen vor Heiligabend lediglich die Zeit vom 1. Adventsonntag bis zum 24. Dezember, so wenig sind diese Wochen nur eine Zeit der Plätzchen und des Einkaufs, von Stress und Weihnachtspost und Adventskranz und „Wir sagen euch an“ und und und….

Abenteuer Advent:

das ist warten und lauschen, ob sich in mir etwas tut,

das ist suchen und sich auf den Weg machen,

das ist mitten im Dunkel den Stern sehen und ihm trauen,

das ist träumen und wünschen, hoffen und ersehnen,

das ist sich nicht zufrieden geben mit dem, was ist,

das ist sich ausstrecken nach dem, was noch nicht ist, aber was sein könnte

das ist sehnsüchtig sein nach mehr Leben und Lebendigkeit,

das ist Ausschau halten nach Gott in meinem Leben,

das ist staunen können, wach sein, hellwach und hinschauen, hinschauen auf mein Leben, auf diese Welt, auf Gott.

Und damit fängt das Abenteuer schon an: Das Unsagbare hören, dem Unglaublichen trauen, sich aufmachen, sich auf den Weg machen.

Wer sich dem Geheimnis der Weihnacht nähert, der lässt sich ein auf das Abenteuer, auf das Abenteuer Advent….

Eine spannende und gesegnete Adventszeit

03. Dezember 2017                                                                                                                                                   Schw. M. Andrea

 

 

 

Von der Schale bis zum Kern

Von der Schale bis zum Kern,

so war der Brunnentag überschrieben, den wir bei Siebenquell besucht haben. Dabei ging es darum, das wahrhaft Schöne zu entdecken.

Ein ganzes Jahr lang haben wir uns fast jeden Monat getroffen, um über die SCHÖNHEIT nachzusinnen. Wir haben

die Schönheit und die Sorge um die Schöpfung angeschaut,

die Schönheit der Lebensunterweisung Gottes betrachtet,

die Schönheit von Schalom auf uns wirken lassen,

die heilende Wirkung von Schönheit erfahren,

unerwartete Orte der Schönheit gefunden,

die Schönheit der Heiligkeit und die Heiligkeit der Schönheit erlebt und

das wahrhaft Schöne entdeckt.

Zu Beginn des Jahres habe ich mich sehr gefreut, dass gerade der  SCHÖNHEIT einen so großen Raum geschenkt wurde und so viele Brunnentage Thema sein würde. Ich ahnte am Anfang noch nicht wie vielfältig die Schönheit ist.                                                              Gerade am Ende dieser Brunnentage über Schönheit steht diese markante Überschrift: Von der Schale bis zum Kern.

Für mich fast diese Formulierung zusammen, was wir über Monate hin gehört haben. Schönheit bewegt sich von außen nach innen und entfaltet sich von innen nach außen. Besonders unsere Innerlichkeit lässt uns die Schönheit erkennen, ruft sie selbst hervor und vermag Schönheit zu bewirken.

Die biblischen Erzählungen sind gefüllt mit Schönheit. Wir erkennen sie in der Schöpfung der Natur und in dem, was der Schöpfer in unser Herz gelegt hat; wir entdecken sie neu in den Lebensunterweisungen, die Gott uns, seinen geliebten Menschen ans Herz gelegt hat, damit wir das Leben in seiner ganzen Fülle wahrnehmen; und wer von uns kennt nicht die Schönheit des Friedens im eigenen Herzen, in der Familie, der Gemeinschaft, unter Freunden und im Land und der Welt in der wir leben? Schönheit vermag zu heilen was verletzt wurde, wenn wir das Schöne wie Salböl auftragen und in den unsichtbaren Bereich unseres Körpers eindringen lassen. Schönheit können wir auch dort finden, wo Schmerz, Hässlichkeit und sogar der Tod zu finden ist, weil auch an solchen Orten sich noch das Schöne zeigt in einer Geste, einem Wort, einem Blick, einer Berührung Jesu. Und die Schönheit der Heiligkeit? Sie lässt uns die Nähe Gottes im Hören erfahren. Im Hören können wir Gott in uns bewahren. Das wahrhaft Schöne, es findet sich im Innersten, im Kern eines Jeden. Dort, wo das äußere Auge nichts Schönes mehr sehen kann, vermag unsere Innerlichkeit Schönheit zu entdecken. Dort, wo wir die Stimme Gottes vernehmen: „Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter“, dort ist die wahre Schönheit zu Hause.

Von der Schale bis zum Kern – so viel Schönheit!

Entdecken wir wieder das Schöne in unserem Leben, suchen wir, erspüren wir, trinken wir, halten wir Ausschau und lauschen wir…    Sie lässt sich überall finden, die Schönheit!

Ich bin Rosemarie Monnerjahn und Erik Riechers sehr dankbar, dass sie unsere Herzen für die Vielfalt und die Tiefe der Schönheit in den biblischen Geschichten und vielen Lebensgeschichten geöffnet haben.

15.11.2017

Sr. M. Josefa

 

 

 

Angekommen! Anegkommen?

Angekommen! Angekommen?

Es war die erfreuliche Nachricht, dass wir unser Ziel erreicht haben, als ich in Santiago etliche WhatsApps an Familienangehörige und an Freunde absetzte mit den Worten: „Wir sind angekommen!“ Das war die vielfache Botschaft. Ich habe sie so oft geschrieben, dass ich letztendlich über das Wort ANGEKOMMEN „gestolpert“ bin.

War ich wirklich angekommen?

Ja, wir hatten die Stadt erreicht, die wir erreichen wollten.

Aber was bedeutete das?

Wir waren unterwegs und sind jeden Tag an einem anderen Ort angekommen? Dann ging es am nächsten Tag wieder weiter. Und hier – am Ziel unserer Reise – war ich angekommen, wo ich hin wollte?

Schon sehr oft bin ich in meinem Leben irgendwo angekommen wo ich hin wollte, habe Ziele erreicht, die ich erreichen wollte. Orte, die auf der Landkarte festgehalten sind, lassen sich heute leicht erreichen, seien sie auch noch so weit entfernt.

Und wie ist das mit den Orten unserer Sehnsucht?

Kenne ich ihn, den Ort meiner Sehnsucht?

Wo will ich denn hin?

Auch so manchen „Sehnsuchtsort“ habe ich in meinen Leben schon erreicht. Und wenn ich eine lange oder eine kurze Weile dort gelebt habe, spürte ich in mir, dass der Weg mich weiter führte, spürte ich, dass ich noch nicht am Ziel meiner Reise angekommen war.

„Sehnsuchtsorte“ sind keine geographischen Orte, lassen sich nicht einfach bereisen um dann wieder zurückzukehren, dorthin, wo wir herkamen…

„Sehnsuchtsorte“ suche ich mir nicht einfach aus, sowie ein Urlaubsziel auf das ich Lust habe es kennenzulernen.

Sehnsucht regt sich in uns, macht uns innerlich unruhig, kommt ungefragt und verweilt oft mit großer Ausdauer und Geduld. Sie will mit den Ohren unseres Herzens gehört werden, will wahrgenommen, aufgenommen und mitgenommen werden.

Unsere Sehnsucht will uns dorthin führen, wo mehr Leben für uns ist.

Will ich dort ankommen?

24.10.2017                                                                                                                                                                    Sr.M.Josefa op

 

 

||Unterwegs mit einer Sehnsucht im Herzen||

„Unterwegs mit einer Sehnsucht im Herzen“

Es geht ums Pilgern, aber nicht im eigentlichen Sinn. Pilgern ist eben mehr als „Ich bin dann mal weg“. Menschen brechen auf, machen sich auf die Suche nach dem, was Spuren von Sinn erkennen lässt, ein Ziel für das eigene Leben, das erklären kann, warum das Leben so und nicht anders ist.

Vielleicht spüren Sie, dass es für Sie Zeit ist, aufzubrechen

Die Pilgerreise beginnt man, in dem man die Wegstrecke plant, sich vorbereitet, den Rucksack packt und los geht es. Das ist die eine  Art des Pilgerns. Die andere Art sind die Reisen, die uns das Leben selbst von Zeit zu Zeit schenkt oder aufdrängt – je nachdem, wie wir es empfinden.

Der Mensch ist ein Pilger – ob auf Jakobswegen oder auf dem Weg des Lebens. Der Weg ist ein altes Symbol menschlichen Lebens, dem wir in vielen Religionen begegnen. Soweit diese sich auf den Stifter berufen, erweist er sich als Lehrer des Weges. Buddha zum Beispiel lehrt den „achtfachen Weg“. Jesus von Nazareth bezeichnet sich selbst als Weg.

Der Weg als Metapher für mein Leben umfasst alles, was mich bewegt und bedrängt, wer mir begegnet und was mir geschieht, was ich erkunde und erleide, anstrebe und erreiche, festhalte und loslasse, zulasse und verändere. Das Leben beruht im Wesentlichen auf Erfahrungen, die ich unterwegs sammle. Im Wort „Weg“ steckt  „bewegen“. Ständig bin ich zeitlich und räumlich, äußerlich und innerlich in Bewegung. Ich sammle vielfältige körperliche, geistige und seelische Erfahrungen, während ich aufbreche, unterwegs bin, Irr- und Umwege gehe, anderen begegne, auf mein Ziel  zugehe, ankomme oder heimkehre.

Das Wort „Weg“ ist sprachlich auch mit „Sinn“ verwandt. Sich auf den Weg machen heißt: auf etwas sinnen, seinen Sinn erfahren wollen. Das Leben selbst ist ein Weg: Das Bild lädt mich als Pilger ein, mich aus erstarrtem Denken und Verhalten zu befreien, mich bewegen zu lassen von meiner Sehnsucht nach den Dingen im Leben, die für mich wesentlich sind. Auf dem Weg sein – das ist die Grunderfahrung menschlichen Lebens. Hier begegne ich Konstantem, Traditionen und Erstarrtem, aber auch Offenheit und Aufbrüchen, Veränderungen und Wandel. Letztlich kommt es auf mich an, mich zu öffnen, meinen Weg zu suchen und zu gehen.

Dem Weg als Symbol und der menschlichen Grunderfahrung des Unterwegsseins begegnen wir auch in den Erzählungen des Alten und Neuen Testaments. Für das Volk Israel war Jahwe ein „Gott des Weges“, der es begleitet (vgl. Müller, Die Seele laufen lassen). Jesus von Nazareth wurde nach langer Wanderung seiner Eltern in Bethlehem geboren. Sein öffentliches Auftreten war ein Pilgern mit seinen Freunden durch Galiläa und nach Jerusalem. Pilgernd verkündete und lebte er seine „frohe Botschaft“ vom barmherzigen und liebenden Gott. Die ersten Christen nannten sich „Menschen des Neuen Weges“. „Der Neue Weg“ – das war ihr Glaube und die Art und Weise, wie sie ihn lebten. Sie wollten damit sagen: Unsere Erfahrungen kann man nur verstehen, wenn man sich auf einen Weg begibt, sich ihm anvertraut und eigene Erfahrungen sammelt in der Gewissheit „Ich bist auf diesem Weg nicht allein, viele gehen ihn mit mir“. „Einer geht voraus: Jesus Christus…das Kennzeichen des Christusglaube ist nicht, das er ein Glaube, sondern ein Weg ist. Du kannst ihn nicht lernen und auswendig hersagen, du musst ihn gehen. Du selbst.“(J. Zink, Die goldene Schnur).

Pilgern auf Jakobswegen und Pilgern im Alltag des Lebens erfordert Mut, aufzubrechen und zu gehen. Wichtig dabei ist,  die Bereitschaft, der Natur, kulturellen Schöpfungen, anderen Menschen, mir selbst und Gott begegnen zu wollen. Die Bereitschaft, offen zu sein für diese sehr unterschiedlichen Begegnungen und all die darin enthaltenen Überraschungen, Erkenntnisse und Erfahrungen. Und die Bereitschaft, mich durch das, was in diesen Begegnungen geschieht, verwandeln zu lassen.  (vgl. Peter Müller, Komm wir pilgern)

Ich wünsche Ihnen dazu Mut, Bereitschaft, Vertrauen in sich und in Gott, Gottes Segen und einen „buen camino“ auf dem Weg des Lebens.

05. September 2017                                                                                                                                                    Sr. M. Andrea op

 

Wohn hier unter meinem Wort

Wohn hier unter meinem Wort:

eine Liedauslegung von Huub Oosterhuis

Auf der Erde soll ich wohnen,

nicht mit Schwingen wie in ein Adler

nicht im Dämmern wie die Eule,

nicht als Blume, die rasch welkt,

nicht mit Flossen unter Wasser,

nicht gejagt und nicht als Jäger,

nicht mit Hufen, nicht mit Klauen,

doch auf Füßen zwei,

um die Ferne zu erreichen,

um den Horizont zu holen –

und mit Händen, die was können:

fällen, räumen, säen, ernten;

Nase voller Lebensatem,

und ein Bauch voll mit Begehren,

mit dem Kopf nicht in den Wolken,

doch der Sonne zugewandt,

um zu übersehen die Erde,

sie zu hüten wie ein Hirte,

fürsorglich wie einen Acker,

sie bei ihrem Namen nennen.

Das ich Mensch bin auf der Erde

und nicht mehr, ein Kind von Menschen,

eins davon und eins mit allen,

groß und nichtig, wehrlos, frei –

um zum Segen füreinander

da zu sein, den Weg zu gehen,

Weg der Liebe, wo am Ende

Leben menschenwürdig ist.

08. August 2017                                                                                                                                                          Sr. M. Josefa op

||Möge deine Seele voll sein von LEBEN||

„Möge deine Seele voll sein von LEBEN“

Es war vor etlichen Jahren, als mir ein Vortrag über die keltische Spiritualität die Augen und das Herz öffneten für eine Wirklichkeit, die ich schon lange in mir spürte, jedoch nicht hätte benennen können. In diesem Vortrag erzählte der Pallottiner P. Erik Riechers von den „dünnen Stellen“ in der keltischen Spiritualität.

Die „dünnen Stellen“ sind jene Augenblicke in denen wir spüren, wie wir mit dem Himmel, mit einer größeren, einer heiligeren Welt verbunden sind. Die Kelten nennen diese Welt die „Anderswelt“. Jene Welt, zu der wir nicht so ohne weiteres einen Zugang haben und von der wir doch ahnen und auch die Erfahrung machen, dass es sie gibt.

Wenn wir beten, wenn wir segnen und wenn wir um einen Segen bitten, dann drücken wir damit aus, dass diese „Anderswelt“ für uns Wirklichkeit ist, dass wir an mehr glauben als an das, was wir mit unseren irdischen Augen sehen können.

Die Kelten glaubten, dass die Art unseres Gebets uns verändern wird. Ihre Segenssprüche sind im Volk entstanden, sie kommen von den einfachen Menschen und aus ihrem alltäglichen Leben.

„Mögest du schon am Morgen der Hilfe des Himmels gewiss sein und über den Tag in der Sicherheit leben, den rechten Weg zu gehen.“

Was mich bei den Kelten beeindruckt ist ihre Natürlichkeit mit der sie ihren Glauben zum Ausdruck bringen, dass diese Welt und die für uns unsichtbare Welt zusammengehören und wir darin leben. Sie scheuen sich nicht offen zu benennen was sie im Herzen bewegt. Nichts scheint zu banal, zu alltäglich. Im Gegenteil, sie finden wunderbare Worte für ihre Herzensanliegen, für ihre Sehnsucht und ihre Verbundenheit mit Gott.

Die keltischen Segensgebete sind entstanden, weil die Menschen glaubten, dass es eine Art des Gebetes gibt, durch die wir zum Herzen Jesu gelangen und ihm ähnlich werden.

Für uns römisch geprägte Christen ist diese Form des Segnens eher ungewohnt. Wir haben Bittgebete gelernt und auch Dankgebete. Die Bitten richten wir an Gott, an Jesus oder an die Heiligen verbunden mit der Hoffnung, dass sie erfüllt werden.

Sie Segensgebete der Kelten hören sich vielleicht an wie gute Wünsche, die wir einander sagen, jedoch gehen sie in Wirklichkeit weit darüber hinaus. Das Wort „möge“ meint nicht ein äußerliches: möge sich erfüllen was ich dir wünsche. Es ist vielmehr die Bitte, die jemand für mich an Gott richtet und die zugleich schon den Segen enthält, den dieses Worten ausdrückt. Dieser Segen birgt eine Kraft, ja eine Macht in sich, damit geschieht, damit Wirklichkeit wird, was wir segnend aussprechen. Diese Worte, geformt im eigenen Herzen, wollen ins Leben holen, was Heil bringt.

Bei den irischen Schriftsteller John O`Donohue habe ich nachstehende Gedanken gelesen:

Freundlichkeit ist eine Form von Segen Irgendetwas, tief in der menschlichen Seele scheint auf Freundlichkeit angewiesen zu sein. Sobald wir sie spüren, können wir vertrauen und uns öffnen. Wenn jemand freundlich zu einem ist, fühlt man sich verstanden und wahrgenommen. Freundlichkeit hat milde Augen; sie ist nicht kleinlich und nicht auf ihren Vorteil bedacht; sie fordert keine Gegenleistung. Freundlichkeit ist das Herz des Segens. An Segen zu glauben, bedeutet zu glauben, dass unser Hiersein in der Welt in sich schon das erste Geschenk, sozusagen der Ur-Segen, ist. Geboren zu werden bedeutet auserwählt zu sein, gesegnet zu sein. Wir werden geboren mit einer Sehnsucht nach Schönheit, Sinn, Ordnung, Kreativität, Mitgefühl und Liebe. Wir begegnen der Welt mit diesen Sehnsüchten und erwarten von ihr auf irgendeine Weise unserem Verlangen zu entsprechen. Unsere Sehnsucht weiß, dass sie ihre Erfüllung nicht erzwingen kann, dennoch erwartet sie instinktiv, dass das Ur-Wohlwollen ihr antworten wird. Dies ist die Schwelle, an der das Segnen zum Leben erwacht.

Ein Segen ist ein schützender Kreis aus Licht  Ein Segen ist ein Kreis aus Licht, der um einen Menschen gezogen wird, um ihn zu schützen, zu heilen und zu stärken. In der Welt zu sein bedeutet, fern der Ganzheit unserer Heimat zu sein. Wir sind durch Begrenztheit und Widrigkeit gefesselt. Wenn wir segnen, gelingt es uns in gewisser Weise, unsere gegenwärtigen Grenzen zu überschreiten und aus unserem Ursprung zu schöpfen. Ein Segen erweckt künftige Ganzheit. Wenn ein Segen ausgesprochen wird, öffnet sich ein Fenster in die ewige Zeit.

Das Wort „segnen“ bedeutet „mit einem Zeichen versehen“, „auszeichnen“. In dem wir etwas segnen statten wir es mit dem Zeichen des Göttlichen aus und heben es dadurch aus der Anonymität des Alltäglichen heraus. In unserer christlichen Tradition verwenden wir zum Auszeichen das Kreuzzeichen.

Unsere Sehnsucht nach dem Ewigen beflügelt unsere Vorstellungskraft zum Segnen. Unser menschliches Herz träumt von einem Zustand der Ganzheit und Unversehrtheit – von jenem Ort, wo alles zusammenkommt, wo Verlust wiedergutgemacht, Blindheit in Sehvermögen verwandelt und Schaden geheilt werden wird und wo die Mühsal unserer Lebensreise zu einer Heimkehr finden soll.

Einen Segen auszusprechen bedeutet, schon im Diesseits etwas von dieser Ganzheit auf einen Menschen herabzurufen.

20. Juli 2017

Sr. M. Josefa op

 

Die Kraft des Wortes

Die Kraft des Wortes

Wir haben sie erfahren, diese Kraft des Wortes, insbesondere des Wortes Gottes.

Vom Freitagabend bis zum Samstagnachmittag haben wir Herz und Sinne auf Erzählungen aus der Apostelgeschichte gerichtet. Dabei standen die Taufe des Äthiopiers (Apg 8), die Berufung des Paulus (Apg 9) und die Befreiung des Petrus aus dem Kerker (Apg 12) im Mittelpunkt. Sie gehören zu den Menschen des Neuen Weges, wie die ersten Christen sich nannten.

Eindrucksvoll haben wir im Bibliodrama erfahren, wie die Stimme des Boten und die Worte Jesu uns in Bewegung gebracht haben. Und auch wir selbst konnten im Bibliolog unsere Stimme dem Hofbeamten der äthiopischen Königin „leihen“

Diese Erfahrungen bleiben nicht ohne Wirkung auf unser Leben. Im Austausch hat sich gezeigt, dass unsere Erfahrungen in den biblischen Erzählungen und unser alltäglichen Leben keine getrennten Erfahrungen sind, dass wir das, was die Bibel erzählt, durchaus auch in unserem Leben kennen. Die Kraft des Wortes wird erfahrbar, dort, wo Menschen sich auf sie einlassen, dort, wo Menschen mit dem Wort Gottes ringen, suchend und fragend auf dem Weg sind.

In unserer Gruppe hat niemand gesagt, dass es leicht ist, aber es sagte auch niemand, dass es sich nicht lohnen würde sich auf das Wort Gottes einzulassen.

Im Gespräch begegnete uns noch ein anderes Wort. Es steht im Buch Deuteronomium: „Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben damit du lebst!“ Dtn 30,19

Mit diesem Wort verbinde ich eine starke persönliche Erfahrung, die sich meinem Gedächtnis eingebrannt hat. Sie liegt mittlerweile fast 3 Jahrzehnte zurück. Ich war in Exerzitien und dort traf mich dieses Wort vollkommen unerwartet und schlug ein wie ein Blitz. Das Wort hat mein Leben verändert, hat ihm eine Richtung gegeben, die ich so nie gewählt hätte, nicht hätte wählen können.

Damals habe ich hautnah erfahren, was wir beim Propheten Jesaja lesen können:

„Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“ Jes 55, 10-11

Gott hat auch uns die Kraft des Wortes anvertraut. Das Wort ist uns gegeben um Leben zu gestalten und dem Leben zu dienen. Auch unsere Worte bringen Wirkungen hervor. Ein gutes Wort baut auf, stärkt, ermutigt und vermag sogar unserem Leben eine andere Richtung zu geben. Menschen vermögen einander mit Worten zu trösten. Liebende werden nicht müde ihre Liebe in kreativen und erfinderischen Worten auszudrücken.

Wir kennen auch das Gegenteil: Beleidigungen, verleumderische Worte, verletzende und zerstörerische Worte bis hin zum Rufmord.

Das ist nicht Gottes Wort, nicht seine Sprache. ER steht für all das, was dem Leben dient. ER steht für das Leben! Tun wir es ihm gleich. Wählen wir Worte die lebendig machen, die stärken, ermutigen und dem Leben dienen. Wählen wir das Leben!

2. Juli 2017

Sr. M. Josefa op

 

Das Angebot des neuen Lebens annehmen

Das Angebot des neuen Lebens annehmen

Die Zeit von der Karwoche, bzw. von Ostern bis zum Pfingstfest ist eine besondere Zeit für uns Christen. Immer wieder wird in mir die Frage wach, was die kirchlich geprägten Feste mit unserem „normalen“ Leben zu tun haben. Was feiern wir, wenn wir nicht nur traditionell wiederholen wollen, was wir früher gelernt haben? Ist es nur eine Erinnerung an das was mal war oder gibt es etwas, was für mein Leben heute von Bedeutung ist?

Von Erik Riechers SAC habe ich einmal gehört, was der Rhythmus von Ostern ist:

  • Da ist der Tod, der uns lehrt, dass etwas stirbt, sterben muss
  • Ostern bedeutet nicht aufgeben, nicht resignieren, sondern aufstehen
  • Das Fest der Himmelfahrt Christi ist das Angebot des neuen Lebens und
  • Pfingsten bedeutet: Ich nehme das Angebot an.

Die Feste haben wohl sehr viel mit unserem „normalen“ Leben zu tun, denn diese vier Bewegungen kennen wir vermutlich alle in der einen oder anderen Weise.

Mit dem Sterben werden wir immer wieder konfrontiert, beim Verlust eines lieben Menschen, wenn Träume sterben, wenn Zukunftspläne zerschlagen werden oder sich Wünsche nicht erfüllen. Immer dann stirbt „etwas“ in uns.

Nicht selten fühlt sich das an wie das Ende eines Weges, oder gar eines Lebens. Die Freunde und Freundinnen Jesu mögen nach dem Tod ihres Freund und Lehrers auch so empfunden haben. Dann hörten sie, dass Jesus lebt, dass das Leben stärker ist als der Tod. Ihre Reaktionen sind so menschlich und gut nachzuvollziehen: Angst, Entsetzen, Weglaufen, sich einschließen, in den Alltag und die Arbeit flüchten.

Kennen Sie das?

In einer solch schmerzlichen Situation nicht aufgeben, nicht resignieren, sondern aufstehen, nach vorne schauen, den (Lebens-)Weg nicht aus dem Blick verlieren, das erfordert unsere ganze Kraft, dazu brauchen wir Mut. Dazu brauchen wir jene Liebe zu uns selbst, mit der wir von Gott geliebt werden, jene Liebe mit der Gott mein Leben liebt.

Auch das Fest der Himmelfahrt Christi hat eine Bedeutung für unser Leben. Jesus ließ die Freunde und Freundinnen nicht zurück, weil er sie aufgegeben hat, sondern weil er sie befähigt hatte, ihren Weg ohne ihn weiterzugehen. Doch er lässt sie nicht mittellos, nicht verwaist zurück. Er macht ihnen ein Angebot, sie sollen seinen Geist empfangen, ihn lebendig halten und daraus neues Leben gestalten.

„Wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen;

gehe ich aber, so werde ich ihn euch senden“ (Joh 16,7).

Vielleicht kenne Sie das auch: Nach dem Schmerz, der Trauer, der Resignation regt sich eine leise Stimme weiterzugehen, einen anderen Blick auf das Leben zu werfen, wird eine Kraft wach, die wir zuvor nicht kannten, regt sich neues Leben in uns. Das ist das Angebot des neuen Lebens. Trauen wir dieser inneren Stimme? Gibt es ein Leben nach dem Schmerz, dem Verlust, der Enttäuschung, den Verletzungen? Lassen wir uns auf etwas Neues ein? Lassen wir uns neu auf das Leben ein?

Pfingsten bedeutet, das Angebot des neuen Lebens anzunehmen. JA zu sagen zu dem, was ich noch nicht kenne, von dem ich (noch) nicht weiß, wie es mein Leben verändern wird. Pfingsten feiern wir unsere Offenheit, unsere Bereitschaft, unser JA zum LEBEN! Was dies für die Freunde und Freundinnen Jesu damals bedeutete lesen wir in der Apostelgeschichte und den folgenden Briefen des Neuen Testamentes. Und die Auswirkungen waren groß, sehr groß und für jeden anders. Für Petrus anders als für Paulus und für die Frauen anders als für die Männer. Jedoch: Ohne ihr persönliches JA gäbe es uns Christen heute nicht.

Was unser JA zum Angebot des neuen Lebens bedeutet, können wir nicht wissen, aber es wird dem LEBEN dienen, wie auch immer, wo auch immer, für wen auch immer. Dem LEBEN dienen lohnt sich immer!

4. Juni 2017

Sr. M. Josefa op

 

Einwärts reisen zu den ||wilden Stätten|| in uns

Einwärts reisen zu den „wilden Stätten“ in uns

Warum eine solche Reise?

Weil ich die Sehnsucht in mir spüre auf dem Weg der Innerlichkeit weiter zu wachsen, ja zu reifen, damit die Innerlichkeit Früchte trägt.

Dabei haben die „wilden Stätten“ in mir eine erstaunliche Anziehungskraft. Sie sind wie unentdecktes Land das Schätze in sich birgt.

Dorthin wollte ich reisen in den Tagen im Kloster Benediktbeuern.  Wir waren als Gruppe „auf dem Weg“. Gemeinsam traten wir diese Reise nach Innen an und zugleich „reiste“ jede und jeder für sich zu seinen persönlichen „wilden Stätten“.

Diese Reise war – wie viele Reisen – verbunden mit der Entdeckung von Schönheit der Erde und des Himmels, aber auch mit Anstrengungen und immer wieder mit großen und kleinen Entscheidungen.

  • Wollte ich mir die Mühe machen auf dem Weg zu bleiben, obwohl mir manchmal das Verstehen schwer fiel und ich die Zusammenhänge zeitweise aus dem Blick verloren hatte?
  • Konnte ich es wagen mich bis zum Ende auf den Weg einzulassen, nicht wissend was dies für meine Zukunft bedeuten würde?

Ja, ich wollte und ich konnte Schritt für Schritt auf dem gewählten Weg weitergehen und mich dem Unbekannten in mir nähern.

Es waren die Erzählungen der biblischen Menschen, Elia und sein Diener, Jakob und seine Familie, die Jünger und Jesus, die uns in diesen Tagen den Weg bahnten und uns begleiteten.

Wie den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus geht es auch für jede/jeden von uns darum Neues zuzulassen – mich ansprechen zu lassen – stehen zu bleiben – nach und nach offen zu legen was mich bewegt und empfänglich zu sein für das Wort des anderen – den Fremden nicht einfach vorbeigehen zu lassen, sondern ihn zum Bleiben einzuladen und ihm das Brot in die Hände zu legen.

Das waren wichtige Schritte verbunden mit der Frage: Wo, wie und wann werde ich einen Schritt nach dem andern üben? Denn nur das Tun, das Üben führt mich in die Innerlichkeit. Das zumindest habe ich mit Gewissheit verstanden.

Rosemarie Monnerjahn und Erik Riechers, die Gründer von Siebenquell, dem Zentrum der narrativen Theologie und Leiter dieser Tage, legten uns noch eine weitere Möglichkeit an Herz:

Im Buch Deuteronomium (6,4-9) heißt es:

„Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.

Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben

mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte,

sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.

Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen.

Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und

wenn du auf der Straße gehst,

wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.

Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden.

Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.

Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und

in deine Stadttore schreiben.“

Das sind fünf konkrete Empfehlungen um ins Leben zu holen und lebendig werden zu lassen was in mir – in uns –  ist.

  • Das, was mir ins Herz geschrieben ist, was tief in mir verwurzelt ist, was Gott in mich hineingelegt hat, das soll ich nicht ignorieren, nicht totschweigen, nicht verheimlichen.
  • Darüber soll ich reden, es ins Wort bringen, es mit anderen teilen und es so in die Zukunft tragen.
  • Das, was mit ins Herz geschrieben ist, soll mich handlungsfähig machen, daraus darf und soll ich Leben gestalten.
  • Und mehr noch: ich darf es offen zeigen, es soll gesehen werden, wie ein Schmuckstück an meinem Körper.
  • Auf die „Türpfosten“ meines Hauses, dort wo ich ein- und ausgehe, wo ich wohne, soll es geschrieben stehen, damit ich mich daran erinnere was Gott mir ins Herz geschrieben hat,

damit ich nicht vergesse, was ich erfahren habe,

damit ich mich immer wieder daran erinnere,

damit ich ins Leben hole, was in mir ist,

damit ich integriere was meine Natur ist.

21. Mai 2017

Sr. M. Josefa op

 

 

 

Spuren von Gott - Mit Jesus in einem Boot

Spuren von Gott – Mit Jesus in einem Boot

Das war das Thema, mit dem Sr. Andrea in den vergangenen sechs Monaten 23 Kinder aus unserer Gemeinde auf ihre Erstkommunion vorbereitet hat.

Mit Staunen habe ich wahrgenommen, was in einem Boot – zusammen mit Jesus – alles passieren kann. So wie einst die Jünger, mussten auch unsere Kinder Jesus erst einmal kennen lernen und Erfahrungen sammeln um eine Ahnung zu bekommen von Gott, von dem die Menschen in der Bibel und auch Jesus immer wieder erzählte.

Und nicht anders als zur Zeit Jesu gibt es auch heute unter uns Menschen, die diese Geschichten nicht interessieren, die mit anderen Dingen beschäftigt sind und solche, die neugierig geworden sind, die mehr hören und mehr erfahren wollen von Gott und von Jesus und wie wir Freundschaft mit ihm leben können. Um mit Jesus in einem Boot zu sitzen, braucht es diese Neugier, braucht es Mut und braucht es Sehnsucht im Herzen.

Diese Vorbereitungszeit, mit ihren Höhen und Tiefen, mit ihren schmerzlichen und traurigen Erfahrungen, mit ihren berührenden und bewegenden Momenten kam mir vor, wie ein Spiegel unseres Menschseins.

Manchmal wollen wir mit Gott und der Kirche nichts zu tun haben, vielleicht weil sie uns fern unserer Lebenswirklichkeit scheinen. Manchmal werden wir berührt von einem Wort, einer Erfahrung oder einem Satz eines Kindes. Manchmal fällt es uns leicht an das Gute im Menschen und an Gott zu glauben und zu vertrauen. Ein andermal werden wir enttäuscht und fühlen uns ohnmächtig, hilflos und allein gelassen, vielleicht so sehr, dass wir mit Gott und den Menschen die an ihn glauben nichts mehr zu tun haben wollen.

So oder so ähnlich mag es auch den Jüngern ergangen sein, als sie mit Jesus im Boot auf dem See Genesareth unterwegs waren und ein heftiger Sturm aufzog. Sie kannten gute Stunden und ermutigende Erfahrungen mit Jesus. Sie hatten bereits erstaunliche und bewegende Erfahrungen mit ihm gemacht. Hier auf dem See überkamen sie Zweifel, Misstrauen, Unglauben und Todesangst.

All das gehört zu unserem Leben. All das darf sein – auch die schmerzlichen Erfahrungen. Ohne sie wären wir weniger reich, weniger reich an Erfahrungen. Und wenn wir sie vermeiden wollen – die schmerzlichen Momente – entgehen uns vermutlich ermutigende und beglückende Erfahrungen.

In der Vorbereitungszeit auf das Fest der Erstkommunion fehlte es auch an ihnen nicht. Da wurde der Vater eines Kindes schwer krank und diese Krankheit gab ihm den Anstoß wieder in die Kirche einzutreten. Die Mutter eines anderen Kindes entschied sich die Konfession ihres Mannes und der Kinder anzunehmen, weil sie sich diesem Glauben mehr verbunden fühlte. Die Eltern eines Mädchens entschieden sich zur kirchlichen Trauung und zur Taufe ihrer Kinder. eine andere Mutter stand Sr. Andrea immer wieder hilfreich zur Seite, wenn sie Hilfe brauchte. Kinder lernten beten und ihr Vertrauen in Gott veränderte sie positiv. In diesen Monaten mit Jesus in einem Boot sind Kinder innerlich gestärkt worden und gewachsen, weil Gott sich ihrer angenommen hat und weil sie sich von ihm haben berühren lassen.

Ohne die Erfahrung des Sturmes auf dem See und die damit verbundenen Ängste und Zweifel hätten die Jünger nicht die Kraft Jesu erfahren können, der den Sturm mit einem Wort zum Schweigen gebracht hat.

Ohne den Mut, vor allem die Tiefen dieser Vorbereitungszeit durchzustehen, hätte Sr. Andrea nicht die beglückenden Erfahrungen machen können, die sich vor allem am Ende dieser Vorbereitungszeit gezeigt haben. Ich bin sehr froh darüber, dass sie nicht aufgegeben hat und sehr glücklich, das sich am Ende der Sturm gelegt hat und eine ermutigende und bewegende Erfahrung zurück bleibt.

Mit Jesus im Boot zu sein bedeutet nicht, vor allem Unangenehmen und aller Not verschont zu bleiben. Es bedeutet: niemals alleine zu sein, immer einen Stärkeren an seiner Seite zu haben, einen, der uns im Blick hat, der uns ernst nimmt, der uns ermutigt, uns beisteht…

…weil er uns LIEBT!

7. Mai 2017

Sr. M. Josefa op

 

 

Wenn Jesus ein Fest feiert

Wenn Jesus ein Fest feiert

Über dem See, über seinen Wellen,

sitzt er mitten unter Menschen,

ein Bruder unter Schwestern und

Brüdern, aber auch ganz Lehrer.

Die Landschaft ist der Festsaal,

groß genug für die Feier des Lebens,

hoch genug für eine Atmosphäre,

in der alle frei atmen und

alles gesagt werden kann,

ohne Zensur und heilige Vorbehalte.

Sein Tisch ist die bloße Erde,

die ihm den Buckel hinhält,

vielleicht ein kleiner Fels,

noch kalt von der blinden Nacht,

aber breit genug und tragfähig

für ein überraschendes Menü

aus Brot und Fisch und

was sonst noch alles auf ihm liegt.

Seine Festrede hat es in sich.

Er legt den Finger in offene Wunden

ohne große Rücksicht auf Redezeit

oder spottverzerrte Gesichter

kontrollierender Theologen,

die allein zu wissen glauben

was gilt und was nicht.

Er redet dem Volk nicht

nach dem schnell urteilenden Mund.

Er überrascht mit unfrisiertem Denken,

das in den theologischen Schulen

nicht besonders gepflegt wird.

Aber die Menschen hören ihm zu,

weil sie nichts zu verlieren haben

und die Elite sich nicht für sie interessiert –

diese dumme Masse vom Land.

Er hält sich in seiner Tischrede

nicht zu lang an Versäumnissen auf.

Er braucht keine Feindbilder und Hassgegner.

Er kommt zum Kern der Sache,

zum Zentrum der Gottesrede,

die für ihn auch Menschenrede ist.

Aber das haben die Gottleute vergessen,

oder scheinen es nicht mehr zu wissen,

und so haben sie Gott, oder den Himmel,

oder seine Umschreibung,

zwar ständig im Mund, bis das Wort

nicht mehr hergibt, was es verspricht.

Alt-neu ist gott im Mund

des Propheten aus Kafarnaum,

der überzeugt davon redet,

dass es höchste Zeit ist, aufzuhören

mit dem für ihn überholten Streit,

wie sich auf den Tag des Herrn

vorzubereiten sein. Denn der Tag

so sagt er, steht vor der Türe

und lässt nicht mehr auf sich warten.

In seiner Tischrede, mitten im Grünen,

erklärt er das Gott-Fest für begonnen

und lädt alle ein, mit zu feiern

und miteinander zu teilen.

Ziemlich verrückt das Ganze

und auch nicht ungefährlich,

denn ganz koscher ist die Sache nicht,

die er da veranstaltet mit dem

Anspruch eines Gott-Gesalbten.

Für ihn haben alle einen Platz

am runden Tisch unten auf der Erde,

die keine Ehrenplätze kennt,

höchstens für die Kleinen und

Mühseligen, die an den Tischen

der Großen keinen Platz haben.

Sie sitzen alle auf Augenhöhe,

Arme und Reiche, ganz Reine und

Gesetzlose, Behinderte und Verstoßene,

Frauen und Männer, Kinder gar,

die er nicht wegschickt. Er umarmt sie,

den Staub nicht achtend, der ihnen anklebt.

Er duldet auch keine Diskussion darüber,

wer denn dazu gehört.

Diese Zeiten sind endgültig vorbei.

Das genau aber nehmen ihm die

Verantwortlichen übel und sagen:

Wir sind noch nicht soweit!

Da müssen vorher noch

einige Bedingungen erfüllt werden.

Und außerdem: Wer gibt die das Recht,

so etwas zu sagen und – schlimmer –

solche Zeichen zu setzen und zu feiern?

Ihn kümmert das nicht; er will nicht

länger warten und fängt an zu segnen:

Das Brot, den Fisch, die Kinder, Menschen.

Denn sie haben Hunger

und Durst nach einem guten Wort,

das ihre Sehnsucht nach erfülltem

Leben stärkt und sie ernst nimmt.

Am Ende bleiben – wie in den Tagen

der Wüste – zwölf Körbe übrig,

so dass am folgenden Tag,

dem Sabbat, nichts zu besorgen ist,

und das Mahl weitergehen kann,

oder überhaupt erst richtig anfängt …

Unser Brot für morgen gib uns heute,

lehrt er Menschen den Vater in den

Himmeln zu bitten, denn das Fest

Auf dem grünen Rasen soll keine

Eintagsfliege bleiben. Es ist der

Hoffnungsvolle Ernstfall und

der Beginn einer erfüllten Zeit.

Er braucht einen starken Glauben,

an dieser Vision festzuhalten,

denn hinter seinem Rücken

legen die Seinen schon Posten fest

und verteilen Plätze, die er gar nicht

zu vergeben hat …

Er hätte jetzt allen Grund,

die meisten von ihnen zu entlassen

und in die Wüste zu schicken.

Aber er ist entschlossen, mit ihnen

Den langen Weg weiter zu gehen

und mühsam zu lernen, dass auch

das Königtum Gottes aus einem kleinen,

senfkorngroßen Anfang wächst.

Dass es viel Zeit in dieser Welt

der bezahlten und erstrittenen

Ehrenplätze braucht, um seine Kraft

zu entfalten.

In Jerusalem will er den Tempel

öffnen zu einem

Haus des Gebetes für alle Völker

ohne Schlachten, ohne Blut.

Das Opfer der Lippen ist seinem Gott

Ein würdiges und angemessenes,

von allen auch bezahlbar.

Vor seinem Tod feiert er

mit den Seinen, den ängstlichen,

ein österliches Abschiedsmahl,

als die Würfel schon gefallen

und das Urteil der Priester feststeht.

Später erfahren sie seine Gegenwart

sehenden Auges und mit offenen Ohren

und glauben, dass sie selbst Leib Christi,

wenn sie tun, wie er getan, barmherzig

und reich an Vergebung.

Das Brotbrechen hat die Kirche

nicht verlernt, auch das Feiern nicht.

Aber sie tut es heute in alten,

heiligen Riten und Gewändern

und kultisch vorgeschriebenen Worten.

Prälaten haben entgegen seiner Vision

Ehrenplätze wieder eingeführt.

Am Tisch herrscht eine strenge

Ordnung, die trennt nach Tradition

und Bekenntnis, nach Priestern

und Laien. Das ist zwar nicht

in seinem Sinn, weil er für das Fest

andere Spielregeln aufgestellt,

die kein Oben und Unten kennen.

Das wissen alle. Aber noch sind es

nur Kundschafter, die über Grenzen

gehen, alte Vorurteile überwinden

und üblen Nachreden Einhalt gebieten.

Stärker wird mehr und mehr

das Hohe Lied der Einheit,

das alle Angst und Scham

vor Heimkehr in das eine Haus

des barmherzigen Vaters überwindet.

In ihm erkennen Jesus-Menschen

Einander als Schwestern, als Brüder,

auch wenn sie in vielen Sprachen reden.

Wilhelm Bruners aus seinen Buch: Zuhause in zwei Zelten

13. April 2016

 

 

Sehnsucht nach LEBEN

Sehnsucht nach LEBEN

Im Johannesevangelium (Joh 4, 1-26) finden wir die Erzählung einer Frau, die in der glühenden Mittagshitze zum Brunnen kommt um Wasser zu holen. Womit sie nicht rechnet ist, dort um diese Uhrzeit jemandem zu begegnen. Genau das will sie vermeiden.

Am Brunnen sitzt Jesus. Die beiden kommen ins Gespräch und die Fragen und Antworten, die hin und her gehen, verändern das Leben der Frau, weil Jesus ihre Sehnsucht nach LEBEN berührt. Und sie lässt sich berühren.

Jesus will die Frau nicht beschämen. Vielmehr liegt ihm daran, dass sie ihre Möglichkeiten entdeckt. Er will nicht, dass sie an der Oberfläche stehen bleibt, will nicht, dass sie hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Er gönnt ihr – und uns allen – viel mehr Leben, als wir uns selbst gönnen.

Die Themen, um die es hier geht sind

Berührungsangst – Pragmatismus – Schnelle Befriedigung – Religiöser Streit und Zank um Äußerlichkeiten – Gleichgültigkeit und Resignation

Und die Fragen, denen wir uns stellen, wollen uns von der Oberfläche in die Tiefe führen:

  • Ist mein Weg lebensspendend? Schenkt er mir Fülle? Will ich wirklich lebendiges Wasser finden? Sehne ich mich danach?
  • Suche ich Sinnfülle über das Hier und Jetzt hinaus oder begnüge ich mich mit dem Machbaren, dem Sichtbaren, dem Äußeren?
  • Bin ich bereit, mich auf Wachstum, auf Entwicklung und Veränderung einzulassen oder bin ich mit dem zufrieden, was ich sofort erreichen kann?
  • Bin ich bereit mich von äußeren Streitigkeiten zu verabschieden und für meinen Glauben, meine Beziehungen neue Möglichkeiten zu suchen. Will ich ein tiefes, inneres Leben formen und fördern?
  • Schiebe ich meine Sehnsucht nach Innerlichkeit hinaus und verschiebe ich sie auf später oder drängt es mich, in der gegenwärtigen Stunde konkret zu werden?

Lassen wir die Frau am Brunnen zu Wort kommen:

„Ich wollte nicht gesehen werden, wollte niemandem begegnen. Mein Leben war so anders verlaufen, als ich es mir gewünscht hatte. Mein Ansehen in der Dorfgemeinschaft war dahin und ich litt unter den Vorwürfen, Urteilen, dem Spott und den schrägen Blicken der anderen und noch mehr an meinen Selbstzweifeln, an der Nichterfüllung meiner Sehnsucht. Ich vermied die Begegnung mit den Andern. Und dann begegnete ich Ihm, am Brunnen, dort, wo ich mich täglich hinbegab um Wasser zu holen. Wasser ohne dass ich verdursten würde, ohne dass ich auch äußerlich unrein sein würde. Das, was dann geschah, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Jedes Wort überschritt die Grenze des Erlaubten. Er hätte mich nicht ansprechen dürfen, mir war es verboten mit ihm zu reden. Dennoch geschah es.

Ich hatte Fragen, verstand aber seine Antworten nicht.

Und dann konnte ich es spüren, tief in meinem Herzen.

Ich kam in Berührung mit meiner Sehnsucht, a t m e t e mein Leben.

Das war mehr, als alle Antworten vermochten.

Das war wie der erste Atemzug neuen LEBENS.“

28. März 2017                                                                                                                                   Sr. M. Josefa op

 

 

 

 

Leg mein Gesicht frei - mach mich schön (2)

Leg mein Gesicht frei – mach mich schön!

Von Jahr zu Jahr stelle ich mir in der Fastenzeit die Frage: Wie will ich mich auf das große Fest, auf das Fest der Auferstehung vorbereiten? Was ist in diesem Jahr mein Anliegen?

In diesem Jahr kommt mir immer wieder dieser Vers von Huub Oosterhuis in den Sinn: „Leg mein Gesicht frei, mach mich schön….“ Er begleitet mich schon seit einigen Wochen.

„Leg mein Gesicht frei, mach mich schön“

ist meine Bitte an Gott. Es ist meine Bitte, dass Gott mir helfen möge, die zu sein, die ich von ihm her bin.

Und dann musste ich an Jesu Worte im Matthäusevangelium denken:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler… Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest…“(Mt 6,16-18)

Das Haar salben, das Gesicht reinigen, das hat etwas mit Wohltat und Wohlgeruch zu tun. Das Gesicht zu reinigen bringt Erfrischung für den Körper und auch für unsere Seele. Bei uns ist es nicht üblich, dass wir uns das Haar mit Öl schön machen. In den orientalischen Ländern ist das anders. Die Salbung mit Öl war zunächst den Königen vorbehalten. Öl ist kostbar – auch heute noch – und der Gebrauch von Öl bei den Sakramenten weist auch heute noch auf unsere Königswürde hin (Taufe, Firmung, Krankensalbung).

Wenn Jesus uns auffordert, das wir unser Gesicht reinigen und unser Haar mit Öl salben sollen, dann höre ich die Einladung, dass wir den Mut haben sollen, die zu sein, die wir von Gott her sind: seine geliebten Töchter, seine geliebten Söhne.

Als Tochter, als Sohn Gottes hat er uns mit Königswürde ausgestattet und lädt uns sein, die zu sein, die wir von ihm her sind: lebendig, kreativ, liebevoll, lebensbejahend, menschlich, zugetan, gemeinschaftsfähig, wohlwollend, wertschätzend, friedliebend…, Salz der Erde und Licht der Welt (Mt 5,13-16)!

„Macht es nicht wie die Heuchler…“, tut nicht so, als ob. Seit echt, seid ihr selbst, traut euch, wagt es! Das ist eine andere Botschaft, als die, die wir als Christen oft gelehrt wurden: Unser Licht unter den Scheffel zu stellen und uns nicht einzubilden als wären wir wer, als könnten wir in der Welt viel bewegen.

Ja, wir können viel bewegen, denn wir sind Salz und Licht. Und jede und jeder von uns kann unsere Welt heller und geschmackvoller machen, wenn wir sind, wie wir von Gott her gedacht sind. Trauen wir uns!!!

„Leg mein Gesicht frei, mach mich schön,

wer lässt die Maske, wird mich finden, ich habe Gesichter mehr als zwei.

Augen, die tasten sich durchs Blinde,Herzen aus Angst vor Angst gelähmt.

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön, mach mich schön.

Leg mein Gesicht frei

Wer lässt die Maske, wird gefunden,

und wird sich selbst wie neu verstehn und leben,

nackt und unumwunden, von nichts und niemandem gelähmt.

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön, mach mich schön.

16. März 2017                                                                                                                                           Sr. M. Josefa op

 

Leg mein Gesicht frei - mach mich schön

Leg mein Gesicht frei – mach mich schön!

So beginnt ein Lied von Huub Oosterhuis, dem niederländischen Theologen und Dichter. Er ist Autor zeitgenössischer geistlicher und liturgischer Texte und Lieder.

„Leg mein Gesicht frei, mach mich schön. Leg mein Gesicht frei, mach mich schön,

wer löst die Maske, wird mich finden,  ich habe Gesichter mehr als zwei.

Augen, die tasten sich durchs Blinde, Herzen aus Angst vor Angst gelähmt.

Leg mein Gesicht frei, leg mein Gesicht frei, mach mich schön, mach mich schön.

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön. Wer lässt die Maske, wird gefunden,  und wird sich selbst wie neu verstehn und leben,

nackt und unumwunden, von nichts und niemandem gelähmt. Leg mein Gesicht frei, mach mich schön, mach mich schön.

In den Tagen der Karnevalszeit machen wir ganz bewusst das Gegenteil, wir verkleiden uns, wir schlüpfen in Rollen, die uns gefallen…

„Leg mein Gesicht frei, mach mich schön“  ist eine Bitte an Gott. Es ist die Bitte, dass Gott uns helfen möge, die zu sein, die wir von ihm her sind. Vermutlich kennen Sie das: In manchen Situationen passen wir uns an, handeln wir, wie es von uns erwartet wird. Bei bestimmten Personen wissen wir durchaus, was wir sagen können und was wir besser nicht sagen um keinen Ärger zu bekommen. Wir legen eine „Maske“ an, damit dass Gegenüber nicht erkennen kann, was wir wirklich denken oder fühlen.

Manchmal ist das durchaus in Ordnung. Es gibt jedoch auch Situationen, da fühlen wir uns dabei nicht wirklich wohl in unserer Haut.

Wenn ich meine Tränen nicht zeigen will, obwohl mir „das Wasser bis zum Hals steht“, weil ich Angst habe, das mein Ansehen darunter leidet, oder ich schweige zu ausländerfeindlichen Reden weil ich mich nicht traue öffentlich meine gegenteilige Meinung zu vertreten, aus Furcht vor vermeintlich starken Gegnern.

Wollen wir, will ich gesehen werden? Manchmal ja, manchmal nein! Es ist nicht selbstverständlich, dass wir gesehen werden wollen.

Werde ich noch geliebt, wenn ich mich zeige wie ich bin? Das ist unsere große Angst. Sie kommt durchaus von den menschlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, nicht gut genug zu sein.

Unsere Ängste sind keine Aussagen. Wir sagen zwar: ich bin ängstlich, aber wir sind nicht die Angst, sondern wir haben Angst. Mit der Angst ist eine Aufgabe verbunden. Wie gehe ich mit meiner Angst um? Lasse ich mich von ihr bestimmen oder suche ich Wege aus ihr heraus?

Mit wem kann ich darüber reden? Wo kann ich davon erzählen, was mich bewegt?

„Leg mein Gesicht frei, mach mich schön…“

Fortsetzung folgt

25. Februar 2017

Sr. M. Josefa op

L´Chaim

L`Chaim

Zum ersten Mal hörte ich dieses Wort in Jerusalem, als ein israelischer Bekannter mit mir anstoßen wollte. Damals hat mich dieses Wort sehr berührt und mich nicht mehr losgelassen.

Vor einiger Zeit hörte ich L`Chaim als Lied von Siegfried Fietz; im Refrain dieses Liedes heißt es:

Ich singe, ich singe, ich singe für das das Leben. Im Lied aller Lieder wird Gott sich erheben. L`Chaim, für das Leben.

Ich singe ein Lied auf das Leben, weil wir einen Gott des Lebens haben. Einen lebendigen Gott, der mir persönlich begegnen möchte, dem ich am Herzen liege. Einen Gott, der uns in Jesus sein Gesicht und sein Herz offenbart hat; ein Gott, mit dem ich reden, lachen und weinen kann; ein Gott, mit dem man leben und sterben und auferstehen kann. Dieser Gott ruft uns zu: L`Chaim- auf das Leben!

Wir alle müssen für dieses Leben einstehen und dürfen nicht Mauern und Wälle errichten. Und dieses Leben braucht eine menschliche Sprache.

Wir, Sr. Josefa und ich möchten gerne P. Erik Riechers und Rosemarie Monnerjahn von Siebenquell in Ihrem Anliegen unterstützen, L`Chaim als Leitlinie zu wählen, weil die Welt und die Kirche die besten Worte braucht. Worte, die das Leben stärken, die das Leben wertschätzen, die es inspirieren und heilen.

L`Chaim – auf das Leben!

25. Januar 2017

Sr. M. Andrea

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Für mich ist der erste Januar immer ein besonderer Tag, es ist wie ein Neuanfang und der hat für mich immer etwas mit Zauber zu tun. So wie Hermann Hesse es beschreibt:

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und uns hilft zu leben“.

So wohnt eben auch jedem Neuen Jahr ein Zauber inne und wir dürfen der Botschaft Jesu trauen, der uns immer wieder daran erinnert, dass es die Möglichkeit gibt in all unseren Lebenssituatioes immer wieder neu anzufangen und nicht nur neu anzufangen, auch unserer Sehnsucht und unseren Träumen, Raum und Zeit zu schenken.

Das erste Wort der Bibel lautet „bereschit“ am Anfang, nicht wie wir es oft hören, im Anfang, dieser kleine Unterschied ist wesentlich. Es sagt uns, dass Gott nicht ein für alle Mal die Schöpfung erschaffen hat und gut ist, sondern ER ist weiterhin mit uns schöpferisch wirksam und jeden Tag dürfen wir dieses Urgeschenk des Lebens feiern und mitgestalten.

Denn am Anfang war nicht die Ursünde, sondern der Ursegen, der uns durch die Schöpfung in einer wunderbaren Schönheit entgegenkommt. Dieser göttliche Ursegen ist jedem von uns „am Anfang“ unseres Lebens ins Herz gelegt worden, damit wir nicht auf unsere Schwächen und Mängel reduziert werden, sondern darauf vertrauen, dass wir wachsen dürfen und dass wir das ein Leben lang entfalten können. Jetzt suche ich mein Glück; Jetzt kann und darf ich ohne Angst leben, weil ich vor Gott so sein darf wie ich bin, ich bin ihm wichtig, ER schenkt mir Wert, Würde, gibt meinem Leben Sinn und er hat mich gewollt und er liebt mich!

Gott schuf den Menschen weil er ihn träumt. (Friedrich Kittler).

Wovon träumen wir?

Einer der diese Frage für sich beantwortet hat ist im vergangenen Jahr verstorben, Schimon Peres:

„Die Menschen fürchten sich vor irgendwas… Nur Gott weiß, was mit uns allen wird. Manchmal werde ich gefragt: Wenn Sie zurückschauen, was waren Ihre größten Fehler? Und ich antworte: Wir dachten, dass wir große Träume haben. Und nun verstehen wir, dass sie gar nicht mal so groß waren. Träumt von mehr. Je grösser Euer Traum ist, desto mehr werdet Ihr erreichen.“

So liegen 365 ungeschriebene Blätter des Neuen Jahres vor mir, ein neuer Anfang. Das vergangene Jahr ist zu Ende, darunter ist ein Schlussstrich gezogen. Es beginnt etwas Neues. Das kann mit Lust und Freude verbunden sein, vielleicht auch mit Angst und Sorgen. Wie ich das neue Jahr gestalte, hängt wohl davon ab, wie ich das Leben träume. Träumen wir groß!

„Freedom is just another word for nothing left to loose…“ Es gibt viel zu gewinnen, wenn ich offen bin für diese 365 leeren Blätter des neuen Jahres.

Träumen wir groß, dann gibt es viel zu gewinnen!

Ein glückliches, gesundes, friedvolles und segensreiches Neues Jahr 2017!

01.Januar 2017

Sr. M. Andrea

Aus dem Himmel

Aus dem Himmel

Aus dem Himmel ohne Grenzen trittst du tastend an das Licht, du hast Namen und Gesicht, du bist wehrlos wie wir Menschen.

Als ein KIND bist du gekommen – noch dein Schatten macht uns blind -, unnachspürbar wie der Wind, der vorbeiweht in den Bäumen.

Wie ein FEUER vorgefunden, wie ein Stern zu uns gesandt, Spur, die weist in fremdes Land, in den Tod bist du verschwunden.

Wie ein QUELL bist du begraben, nur noch Wüste hüllt dich ein. Wird da je ein Andrer sein, wird die Erde Frieden finden?

Als ein WORT bist du gegeben, Furcht und Hoffnung in der Nacht, wie ein Schmerz, der heil uns macht, wie ein Neubeginn des Lebens.

Huub Oosterhuis

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.

Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden.

Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!

Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.

Eine Stimme sagt: Verkünde! Ich fragte: Was soll ich verkünden? Alles Sterbliche ist wie das Gras, und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Atem des Herrn darüber weht. Wahrhaftig, Gras ist das Volk. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.

Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott. Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit; Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.

Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf seinem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam. (Jesaja 40, 1-11)

Zu diesen Worten der Heiligen Schrift haben wir heute eine außergewöhnliche Predigt von unserem Freund und Bruder Erik Riechers SAC gehört.

Anlässlich einer Krankensalbung von vier lieben Menschen sind wir in unserem Kloster zusammengekommen und haben miteinander Gottesdienst gefeiert.

Dabei hat Erik Riechers uns die 12 Bilder des Trostes, die in diesem Text genannt werden, ausgelegt.

Es ist eine Botschaft Gottes an uns, seine geliebten Menschen, die mit der Aufforderung beginnt: „Redet Jerusalem zu Herzen!“ Und dann folgen die Bilder:

  • Der Frondienst ist zu Ende, das bedeutet, dass wir unsere Kraft nicht mehr in fremde Dienste und Aufgaben stecken müssen, dass wir nicht mehr für fremde Herrscher arbeiten müssen, sondern dass wir nun endlich das tun können, wonach unser Herz sich sehnt
  • Die Schuld ist beglichen, darum sind wir frei und können unsere Ressourcen für anderes gebrauchen und einsetzen
  • Wege werden bereitet, das heißt, dass es Möglichkeiten gibt Leben zu gestalten und zu werden, was wir von Gott her schon sind
  • Ein Weg durch die Wüste will uns auch in dürren, trockenen Lebensphasen Zugang zum Leben ermöglichen
  • Täler werden erhöht, will uns sagen, das die „Schlaglöscher“, die Stolperstellen unseres Lebens zugeschüttet sind und wir ungehindert auf unserem Weg weiter gehen können
  • Berge werden gesenkt, und damit die massiven Blockaden in uns beseitigt
  • Was krumm ist, soll gerade werden, damit wir den Durchblick haben und mit Klarheit und Gewissheit unseren Weg fortsetzen können ohne ängstlich bedenken zu müssen, was hinter der nächsten Kurve auf uns wartet.
  • Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her. Wären wir die Beute, würden wir hinter dem Sieger hergehen. Den Siegespreis trägt der Sieger vor sich her. Damit sagt Gott, dass wir ein Gewinn sind und dass es sich lohnt um uns zu kämpfen
  • Wie ein Hirt, führt er uns zur Weide, weil er uns stärken will und weil er uns das Beste anbietet
  • Er sammelt mit starker Hand, damit wertvolles nicht verloren geht
  • Die Lämmer trägt er auf seinem Arm, damit junges, unerfahrenes Leben nicht im Stich gelassen wird
  • Die Mutterschafe führt er behutsam, will uns sagen, was Leben trägt, hegt und pflegt wird selbst behütet und geführt

Diese Bilder zeigen Gottes außergewöhnliche Angebote an uns, seine Menschen. Wie sehr erfreut sich Gott wohl an Menschen, deren Sehnsucht, deren Hunger und Durst, so groß sind, dass sie zusammenkommen um mit ihrem Gott dieses Leben, in all seiner Gebrechlichkeit und Krankheit, zu feiern?!

Das Sakrament der Krankensalbung wurde begleitet von einer großen Vorfreude auf diesen Tag hin und von einer tiefen Freude an diesem Geschehen. Wenn es allen andern so ergeht wie mir, dann ist diese Freude, heute, am Abend dieses Tages, noch immer deutlich spürbar in ihren Herzen. Ich wünsche uns allen, dass wir das Geschenk dieses Tages in uns bewahren und davon erzählen…

Wir haben ein Geheimnis gefeiert, das Geheimnis der Begegnung zwischen Gott und seinen Menschen

08. Dezember 2016

Sr. M. Josefa op

Adventlich leben

Adventlich leben

Adventlich leben, um bereit zu sein für das,
was manchmal so überraschend in unser Leben tritt,
was uns anrührt und bewegt,
was uns angeht und persönlich meint.

Adventlich leben, um hellwach zu sein für das,
was es neu zu erkennen gilt in dieser Zeit
der seltenen oder verlorengegangenen Visionen,
die aber Gottes Zeit mit uns und für uns ist.

Adventlich leben, um ganz Ohr zu sein für jene,
die uns von ihren Kummer und ihrer Mühsal,
ihrer Hoffnung und ihren Nöten, ihrer Sehnsucht
und ihrer Enttäuschung erzählen wollen.

Adventlich leben, um ganz da zu sein für den,
der neu ankommen will in mir persönlich
als menschenfreundlicher Gott,
als vertrauenwürdiger und liebevoller Freund.

Adventlich leben, um wartend zu wachen
und wachsam zu warten auf den,
der sich mir neu zuwenden will
im Geheimnis seiner Menschwerdung.

von Paul Weismantel

27.11.2016   Sr. M. Josefa op
Barmherzigkeit
Barmherzigkeit als das pulsierende Herz des Evangeliums will Wärme in unsere Welt bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einem Jahr eröffnete Papst Franziskus das Jahr der Barmherzigkeit, nun ist es zu Ende. Ich weiß nicht wie Sie, liebe Leserinnen und Leser dieses Jahr erlebt haben, ob Sie durch eine der vielen „Heiligen Pforten“ gegangen sind, ob Sie diesem Jahr einen besonderen Akzent gegeben haben oder ob dieses Jahr – wie viele andere vor ihm – ganz „normal“ war.

Sr. M. Andrea und ich haben 9 x an einem Brunnentag von Siebenquell  teilgenommen, von dem jeder einen besonderen Aspekt der Barmherzigkeit beleuchtete.  9 x haben wir aus der Tiefe eines Brunnens Wasser des Lebens geschöpft und uns nach einem anstrengenden Tag dennoch erfrischt gefühlt. 9 x haben wir gespürt, dass Barmherzigkeit nichts mit „weichspülen“ zu tun hat, sondern eher „Knochenarbeit“ bedeutet – die nicht mit dem Jahr der Barmherzigkeit zu Ende ist.  9 x sind wir auf den Grund eines Brunnens hinabgestiegen und sind unseren Vorurteilen, unseren Ängsten, unseren Ausreden, unseren Anteilen an Gleichgültigkeit, unseren Abwertungen begegnet, nicht nur dem Nächsten gegenüber, sondern auch oft uns selbst gegenüber. Wir sind dem Leben begegnet, so wie es sich uns so oft zeigt.

Diese Themen haben wir an den 9 Brunnentagen angeschaut:

Der zweite Name der Liebe: Barmherzigkeit als das pulsierende Herz des Evangeliums

Du gehörst dazu: Die Kälte der Ablehnung auftauen

Ich höre dir zu: Die Eiszeit der Unachtsamkeit erwärmen

Ich rede gut über dich: Die Frostigkeit der üblen Nachrede abtauen lassen

Ich geh ein Stück mit dir: Die vereiste Isolation wegschmelzen

Ich teile mit dir: Die eisige Gier zum Schmelzen bringen

Ich besuche dich: Den Frost der Einsamkeit enteisen

Ich bete für dich: Die eingefrorene Vergesslichkeit entfrosten

Geh mit uns auf diesem Weg: Vinzenz Pallotti als Patron der Barmherzigkeit

Wenn das Gegenteil von Barmherzigkeit Gleichgültigkeit ist, und dass erleben wir auf der nördlichen Halbkugel immer mehr, dann ist es gut, diese Kälte und Härte zum Schmelzen zu bringen und zu erweichen.

Das Besondere an diesen Brunnentagen war für mich, immer wieder zu hören und zu erleben, wie sehr wir den Menschen von denen die Bibel erzählt, ähnlich sind. Und zugleich habe ich entdeckt, wie so ganz anders unser Gott ist. Nicht nur so ganz anders als wir Menschen, sondern auch so ganz anders als das Bild, das die Kirche von ihm zeichnet. Unser Gott sehnt sich nach uns, sucht uns, sucht das Gespräch mit uns. Wir – seine Menschen – sind für ihn das einzig Wichtige im Leben. So sehr wie Er unser LEBEN will, wie er unser Leben schützt und nährt, wie er unser Leben liebt und es uns ermöglicht, genauso sollen auch wir unser Leben und das der anderen lieben, nähren, schützen und Leben ermöglichen.

Die vielen Erzählungen der Bibel haben die Brunnentage zu einer Begegnung mit Mensch und Gott werden lassen die nachklingt und mich in meinem Alltag herausfordert. Die Geschichte Gottes mit seinen Menschen ist nicht zu Ende. Wir sind die Menschen die sie weiterleben und weitererzählen.

21.11.2016   Sr. M. Josefa op
Zeit Abschied zu nehmen
Es ist Sonntagmorgen und wir haben zurückbekommen, was man uns im März genommen hat – eine Stunde unserer Zeit. Nun haben wir sie wieder und doch heißt es Abschiednehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit einigen Wochen ist es sichtbar und deutlich spürbar geworden: Der Sommer hat sich verabschiedet. Ob wir es mögen oder auch nicht, jeden Morgen wird es jetzt ein bisschen später hell und jeden Abend ein bisschen früher dunkel. Daran ändert sich auch nichts, wenn wir die Uhr vor oder zurück drehen.

Die Jahreszeiten haben ihren eigenen Rhythmus. Er lässt sich von uns Menschen nicht beeinflussen.

Und im Herbst heißt es Abschiednehmen von den langen, hellen und warmen Tagen. Wer gerne in einem Garten arbeitet, so wie ich, der ist jetzt dabei ihn „winterfest“ zu machen. Die Ernte ist eingebracht, die meisten Blumen sind verblüht und haben ihre Samen fallen lassen. Jetzt ist die Zeit, in der die Tiere ihre Wintervorräte sammeln.

Zurückschneiden, zusammenrechen, einpacken und vor dem Frost schützen, das sind die Aufgaben, die es jetzt zu tun gilt und: immer wieder Abschied nehmen.

Ich liebe den dicken Nebel am Morgen und freue mich wie ein Kind, wenn es der Sonne gelingt durch ihn hindurch zu dringen und mein Herz mit ihren warmen Strahlen zu wärmen. Jeden Herbst spüre ich dann auch Wehmut, weil mich diese Erfahrung der Natur daran erinnert, dass etwas unwiderruflich vorbei ist. Die Zeit lässt sich nicht aufhalten, von nichts und von niemandem.

Je älter ich werde, desto mehr spüre ich, dass es mir gut tut, wenn ich bewusst Abschied nehme. Nicht das mir das leicht fallen würde, nein, ich spüre jedoch, dass ich dadurch mehr wahrnehme was gerade ist. Und ich nehme wahr, was im Abschied bleibt, was ich sozusagen als „Ernte“ mitnehme.

Was bleibt? Es ist die Dankbarkeit für jeden Tag der gewesen ist. Es bleibt die Erinnerung an leuchtende Farben, an Samen die Früchte hervorgebracht haben, an den Gesang der Vögel am Morgen und am Abend. Es bleibt die Erinnerung an die vielen Menschen, denen ich im Garten begegnet bin und die mein Herz mit Freude erfüllt haben. Es bleibt die Wärme des Herzens und die Erfahrung all dessen, was wir gelebt haben.

Und da ist noch ein ambivalentes Gefühl, wenn ich an die wilden Kaninchen denke, die so viele Pflanzen (ohne meine Einwilligung) abgefressen haben. War die Arbeit an diesen Pflanzen vergeblich?

Der Herbst erinnert mich daran, dass auch unser menschliches Leben, wie die Natur, seinem eigenen Rhythmus folgt. Wir werden geboren, wir leben eine kurze oder lange Zeit auf dieser Erde und dann müssen auch wir Abschied nehmen. Nicht weil das Leben zu Ende ist, sondern weil wir in ein anderes Leben „hineingeboren“ werden. Der Abschied von geliebten Menschen ist schmerzlich, das haben viele von uns in diesem Jahr erfahren. Und das Herz hat seinen eigenen Rhythmus des Trauerns und abschiedlich zu leben.

Die Natur lehrt uns, dass nach dem Winter ein neuer Frühling erwacht, dass die Erde neues Leben hervorbringt, immer wieder neu.

Nehmen wir Abschied in dem Bewusstsein, das Neues auf uns wartet.

Sr. M. Josefa op
Erntedank
In vielen Regionen wurden in den letzten Wochen Oktoberfeste gefeiert. Vermutlich wurde fröhlich gefeiert mit Bier und gutem Essen. Auch wir Christen feiern in diesen Tagen ein Fest, Erntedank. Wir bedanken uns beim Schöpfer der Welt für die Ernte des Jahres, für die Früchte der Erde, für alles, was uns die Natur so reichlich bietet an Nahrung aller Art; danken für die Schönheit der Schöpfung, für die Schönheit der Pflanzen, Bäume und Landschaften.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Erntedankfest ist ein Zeichen gegen die Gedankenlosigkeit, mit der der moderne Mensch in die vollen Regale der Supermärkte greift in der Meinung, das alles sei selbstverständlich. Gleichzeitig sehen wir in den Medien, wie viele Millionen Menschen auf unserem Globus hungern, kaum das Nötigste zum Leben haben, von Katastrophen heimgesucht werden, die ihnen die Lebensgrundlage nehmen.

Unser Gemeindeteam hat in diesem Jahr auf eine dieser Krisen, eine wie ich finde, wunderbare Antwort gegeben. Sie haben aus aktuellem Anlass der Flüchtlingskrise das Erntedankfest in diesem Jahr anders gestaltet. Sie verkauften keine Erntegaben, wie in den vergangenen Jahren, um den Erlös dann zu spenden, sondern sammelten für die Dattelner Tafel. Gesammelt wurden lang haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Zucker, Mehl oder Konserven. Aber auch Süßigkeiten für die Kinder waren gerne gesehen. Und es war Ihnen eine Freude den Flüchtlingen und den Bedürftigen unserer Gesellschaft zu helfen.

Wir feiern Erntedank und viele Kirchen erstrahlen im bunten Schmuck: Korngarben, Weintrauben, Obst, Brot und Gemüse stehen im Altarraum. Es zeigt uns dass wir von Gott beschenkte Menschen sind. Und wir danken nicht für das „tägliche Brot“, das in unserer Kultur sowohl den Hunger als auch den Appetit auf so vielfältige Weise stillt, sondern auch für Alles, womit Gott unser Leben bereichert

Das Erntedankfest kann aber auch zu einem Tag werden, an dem der Mensch innehält und ein besonderes Augenmerk auf das legen kann, was ihm – einfach so und ohne eigenen Verdienst – geschenkt wird: von anderen Menschen und von Gott oder was ich mir auch selber schenke: ein Gebet, ein Loblied, oder einen Brief…

Erntedank, dieses Fest wurde erfunden, weil Menschen gesagt haben, “unser Leben verdanken wir Gott”. Und dass nach einer langen Zeit des Pflanzens, Wachsens und Hegens, vor dem Altar Obst und Gemüse liegen, ist das nicht ein Zeichen? Ein Zeichen an die Seele: du sollst es gut haben. Ein Zeichen von Gott: Ich will doch, dass du lebst. Und damit gebe ich Dir lieber Mensch, auch Verantwortung für die Erde in die Hand, für die Erde und für die Menschen. Du kannst diese Erde, diese Welt mit all Deinen Gaben und Talenten so vielfach gestalten, mit Deinem politischen Wissen, mit Deiner finanziellen Spende, mit Deiner Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe, mit Deiner Kreativität, mit Deinem Rat. Meine Liebe und Großzügigkeit sollst Du weiter schenken, es bleibt Dir noch genug. Denn es ist genug für alle da!

Wir könnten Erntedank auch noch anders verstehen: den Dank für die bisherige Ernte unseres Lebens zu feiern.

Dieser Gott ist und bleibt ein großzügiger Gott, der jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger selbstherrlich regiert und uns ständig drangsaliert.

Auf einer Karte, die ich einmal gelesen habe, ist zum Erntedankfest ein Gedanke in Gedichtform festgehalten, der mich sehr angesprochen hat: da ist unter der Überschrift „Erntedank“ die Frage gestellt, ob wir einmal die Rechnung bezahlen müssen?

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind,
den Vogelflug, das Gras und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben und den Blick auf die Sterne,
und für all die Tage, die Abende und Nächte.

Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen:
„die Rechnung bitte…”

Und Gott schaut und wird lachen soweit die Erde reicht und sagen:
„Ich habe euch doch eingeladen….es war mir ein Vergnügen…”

Das ist die Großzügigkeit Gottes, einer der nicht “abrechnet”, sondern schenkt. Der seine Menschen gerne zu Gast hat und der nicht müde wird uns einzuladen.

Oktober 2016
Sr. M. Andrea op
Die Wünsche des Bauern
Es war einmal ein armer chinesischer Reisbauer, der trotz all seines Fleißes in seinem Leben nicht vorwärts kam. Eines Abends begegnete ihm eine gute Fee, von dem jedes Kind weiß, dass sie den Menschen jeden Wunsch erfüllen kann. „Ich bin gekommen“, sagte die Fee, „um dir zu helfen. Ich werde dich auf den Wunschberg bringen, wo du dir aussuchen kannst, was immer du willst.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und ehe er sich versah, fand sich der Reisbauer vor einem prächtigen Tor wieder. Über dem Tor stand geschrieben:  „Jeder Wunsch wird Wirklichkeit“. „Schön“, dachte der Bauer und rieb sich die Hände, „mein armseliges Leben hat nun endlich ein Ende.“ Und erwartungsvoll trat er durch das Tor. Ein weißhaariger, alter Mann stand am Tor und begrüßte den Bauern mit den Worten: „Was immer du dir wünschst, wird sich erfüllen. Aber zuerst musst du ja wissen, was man sich überhaupt alles wünschen kann. Daher folge mir!“

Der alte Mann führte den Bauern durch mehrere Säle, einer schöner als der andere. „Hier“, sprach der Weise, „im ersten Saal siehst du das Schwert des Ruhms. Wer sich das wünscht, wird ein gewaltiger General; er eilt von Sieg zu Sieg und sein Name wird auch noch in den fernsten Zeiten genannt. Willst du das?“

„Nicht schlecht“, dachte sich der Bauer, „Ruhm ist ein schöne Sache und ich  möchte zu gerne die Gesichter der Leute im Dorf sehen, wenn ich General werden würde. Aber ich will es mir noch einmal überlegen.“ Also sagte er: „Gehen wir erst einmal weiter.“ „Gut, gehen wir weiter“, sagte lächelnd der Weise. Im zweiten Saal zeigte er dem Bauern das Buch der Weisheit. „Wer sich das wünscht, dem werden alle Geheimnisse des Himmels und der Erde offenbar.“ sagte er. Der Bauer meinte: „Ich habe mir schon immer gewünscht, viel zu wissen. Das wäre vielleicht das Rechte. Aber ich will es mir noch einmal überlegen.“

Im dritten Saale befand sich ein Kästchen aus purem Gold. „Das ist die Truhe des Reichtums. Wer sich die wünscht, dem fliegt das Gold zu, ob er nun arbeitet oder nicht.“ waren die Worte des alten Mannes. „Ha!“, lachte der Bauer, „Das wird das Richtige sein. Wer reich ist, der ist der glücklichste Mensch der Welt. Aber Moment – Glück und Reichtum sind ja zwei verschiedene Dinge. Ich weiß nicht recht. Gehen wir noch weiter.“

Und so ging der Bauer von Saal zu Saal, ohne sich für etwas zu entscheiden. Als sie den letzten Saal gesehen hatten, sagte der alte Mann zum Bauern: „Nun wähle. Was immer du dir wünschst, wird erfüllt werden!“ „Du musst mir noch ein wenig Zeit lassen“, sagte der Bauer, „Ich muss mir die Sache noch etwas überlegen.“ In diesem Augenblick aber  ging das Tor hinter ihm zu und der Weise war verschwunden.

Der Bauer fand sich zu Hause wieder. Die Fee saß wieder vor ihm und sprach: „Armer Bauer, wie du sind die meisten Menschen. Sie wissen nicht, was sie sich wünschen sollen, sie wünschen sich alles und bekommen nichts. Was immer sich einer wünscht, das schenken ihm die Götter – aber der Mensch muss wissen, was er will …“ (Quelle unbekannt)

Wer hätte sich das nicht schon manchmal gewünscht: Den Besuch der guten Fee, die zu mir hereinkommt und sagt: »Drei Wünsche hast du frei. Du kannst wählen: Was wünschst du dir«? Mir ist sie leider noch nicht begegnet. Schade. Dabei ist es manchmal gar nicht so einfach und man muss sehr sorgfältig umgehen mit den Wünschen, sonst kann es einem so gehen wie dem Mann, in der Geschichte. Haben Sie auch so etwas, wie einen Wunschzettel? Was steht da drauf? Gibt es da Wünsche, die schon in Erfüllung gegangen sind, oder auch Wünsche, die sich bisher nicht erfüllt haben? Vielleicht von jedem etwas?

Dietrich Bonhoeffer behauptet einmal: »Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen«. Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche. Vielleicht hilft uns da ein zweites Wort von Bonhoeffer. Denn für ihn ist klar: „Es gibt ein erfülltes Leben – auch mit unerfüllten Wünschen.“

„Wie viele Wünsche, die sich nicht erfüllen, wie viele Träume klanglos untergehn. Du sagts: du musst das leben vorwärts leben und rückwärts vielleicht irgendwann verstehn. wie viele Wünsche, die sich nicht erfüllen, wie viele Träume klanglos untergehn, vielleicht wird Gott einst unsre Sehnsucht stillen – bis dahin soll sein segen mit dir gehn. Das wünsch ich dir, das wünsch ich dir, das wünsch ich dir.“ Lied von R. Böhner

Von Herzen wünsche ich Ihnen, liebe Leser, ein erfülltes Leben – auch mit unerfüllten Wünschen.

Sr. M. Andrea op
im September 2016
Unterwegs
In den Sommermonaten sind wir Menschen besonders gerne und viel unterwegs. Wir genießen es mit dem Auto oder Flugzeug in andere Länder zu reisen, mit dem Rad oder zu Fuß neue Gegenden zu erwandern oder vertraute Orte aufzusuchen, mit denen wir schöne Erinnerungen verbinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich war in den letzten Wochen viel mit dem Fahrrad unterwegs. Es tat gut kräftig in die Pedale zu treten und den Wind und die Sonne auf der Haut zu spüren. Am liebsten sind mir die flachen Wege, das gleichmäßige Dahinrollen. Dabei kann ich die Landschaft, die grünen Wiesen und Felder wunderbar genießen. Anstiege kosten mich viel Kraft und Mühe, sie erfordern meine Konzentration und meinen körperlichen Einsatz. Jedoch haben sie auch eine extrem schöne Seite, nämlich dann, wenn ich auf der anderen Seite des Anstiegs den Berg wieder heruntersausen kann. Da brauche ich nur lenken und vielleicht ein wenig bremsen und dabei „fliege“ ich dahin.

Ich war in den Ferien für ein paar Stunden mit dem Schiff auf einem schönen See. Sonne und Wind hatten sich wunderbar aufeinander abgestimmt und schenkten uns eine herrliche Fahrt. Ohne jede Anstrengung, ohne körperlichen Einsatz glitten wir über das Wasser und der Wind und die Sonne umgaben uns ebenso kräftig wie bei den Radtouren.

Jedoch: Wir wurden gefahren, wir fuhren nicht selbst.

Diese Erfahrung ist mit mir gegangen und hat diesen Impuls hervorgebracht.

Manchmal empfinden wir unseren Alltag auch wie etwas, das wir nicht selbst bestimmen und gestalten, als etwas, das einfach an uns geschieht. Manchmal sagen wir: Wir funktionieren. Aber hat der Alltag nicht auch die schöne Seite, das wir im „ruhigen Wasser“ dahin fahren und nicht immer und nicht alles selber steuern müssen? Wir werden gefahren, ein anderer lenkt das Schiff und sorgt dafür, dass wir sicher ans Ufer kommen.

Sehr oft habe ich in meinem Leben schon gedacht: „Dieses oder jenes Geschehen hat Gott gelenkt“ und die „Landung“ war vollkommen. Sie war nicht immer das, was ich mir gewünscht und erhofft hatte, aber sie war immer gelungen.

Liebe Leserinnen und Leser,

das Unterwegssein hilft uns, Abstand vom Alltag, vom Alltäglichen zu bekommen. Es ist mehr als dem Alltag zu entfliehen. Es ist die gesunde Distanz zu dem hin, was uns jeden Tag umgibt. Dieser Abstand kann uns helfen aus der Entfernung wahrzunehmen, was unser Leben ausmacht, womit wir uns beschäftigen und zu erspüren, ob es gut so ist, wie wir leben. In der Distanz liegt die Chance mit einem klareren Blick auf das Alltägliche zu schauen.

Und vielleicht entdecken Sie dann auch wie ich in diesen Ferien, das Geschenk des Alltags, der in seinem eigenen Rhythmus gleichmäßig dahinfließt, wie ein Schiff auf ruhiger See.

 

Sr. M. Josefa, August 2016
Der allein Gott ist
Ich beug mein Knie, mein Haupt,
ich beug mein Herz
vor ihm, der unser Vater ist,
unser Erfinder, unser Geliebter,
unser Schöpfer –

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nach dem sich richten,
an dem sich volltrinken muss:
jeder Mensch,
der Vater, Quelle, Anfang sein will
in dieser Welt –

jeder, der barmherzig,
mitteilsam und gut
sein will.

Weil er es ist,
wird er / möge er
uns geben:

eine unzerstörbare Seele,
einen Innenraum aus Lebensatem,
Keime der Kraft zu überleben –

und das der Zukunftsmensch
das Herz uns durch und durch
bewohnen soll,
der Menschensohn, der Morgenstern,
Jesus Messias.

Dass wir beständig
und verlässig seinen,
verwurzelt in der Liebe,
unterfangen von Liebe.

Wären wir doch imstande
zu verstehen,
mit all den andern,
die von ihm
betroffen sind,
wo immer auf der Welt,
wie lang und breit die Liebe ist,
wie hoch die Liebe reicht,
wie tief ihr Abgrund ist.

Möchten wir doch begreifen,
wer er ist,
der unser Begreifen übersteigt:
der Zukunftsmensch,
dann wären wir
von Gott erfüllt.
Der in uns wirkt und gärt,
Beseeler unserer Seele,
der unvorstellbar mehr
aus uns machen kann,
unmöglich
viel mehr, als wir
erwarten und auch nur
fragen können:

der allein Gott ist,
der Felsen, der uns trägt,
das Licht, das uns durchscheint,
die Luft, in der wir atmen.

nach Epheser 3, 14-21
von Huub Oosterhuis